24.2.2025

Gedanken zur Wahl am 23.2.25

Die Welle kam, nicht unerwartet, aber trotzdem nicht vorhersehbar. Sie kam mit einer unerhörten Wucht, ja mit einer un-erhörten Wucht. Sie schlug Mauern ein und Tore öffneten sich. Menschen an den Fernseher, an den Radios ungläubig und dann kam sie, diese Freude, diese Emotionen, die sich wie eine Flut auf fast alle übertrag. Sprachlosigkeit und Freude, Sekt und kein Selters, Bier und Schnaps, sie war offen, diese Grenze. Das Graue machte sich über das Bunte und Grelle her und das Bunte und Grelle empfang das Graue. Austausch, Austausch, Begegnungen ohne zittern ohne Angst. Die Luft zwar noch immer von Braunkohle geschwängert, sodass lüften nichts nützte, aber Freiheit und der Zug begann, von Osten in den Westen, teilweise auch umgekehrt. Die Flut nahm alles mit, der zerbrochene Damm nahm keine Rücksicht auf Traditionen, Werte, die unausgesprochen galten. Der Osten ging in den Westen und nahm was er brauchte und was ihm gut tat. Endlich etwas buntes, farbiges, kein Fragen mehr, einfach tun. Die Begeisterung hielt wie lange? Dann kam der Westen in den Osten und nahm alles, rücksichtslos, zerstörte alles und die Werte des Osten wurden unter dem Blick der Finanzen, Rentabilität und Wirtschaftlichkeit angeschaut, zerschlagen. Das Menschliche was über 40 Jahre und vielleicht noch länger, ganz unbewusst, heran gewachsen war, dieser Zusammenhalt für das SEDsystem und dieser Zusammenhalt gegen das SEDsystem und der Zusammenhalt des sich arrangieren, all das verschwand als der Damm brach und der Osten seine Identität verlor und der Westen keine schaffen konnte, war doch die Entwicklung der Individualität, das Kreuz des Kapitalismus was jeder seit dem 2. WK mit sich herumtragen muss, zu weit voran geschritten. Eine Leere ist da, die sich nur mühsam mit Bunten, Grellen, Lautem übertünchen ließ, gab es doch noch soviel Graues und Konsum ersetzt kein Gemeinsamkeitsgefühl, egal aus welcher Motivationsecke heraus, dafür, dagegen oder mittendrin. Diese Leere wurde gefüllt, mit Parolen, mit Projektionen auf die, die noch weniger haben, den Ausländern die einen alles wegnehmen. Und es brannte lichterloh. Waren es doch in Wirklichkeit die Finanzstrategen und grauen Herren und Damen mit ihren Computern und Bilanzen, die alles wegnahmen und es war auch niemand da, der einen traumatisierten Staat und ihre Menschen auffangen konnte. In dieser Leere machten sich clevere Geschäftsleute breit, die Nationalstolz und das richtige Deutschland verkauften, zuerst die Idee und dann die Klamotte oder umgekehrt. Die Idee setzte sich fort und eine eurokritische Partei, Auffangbecken von Wirtschaftsprofessoren, Esoterikern, Nationalisten und Verschwörungstheoretikern begann sich zu etablieren. Und dann kam die Angst wieder, als 2015 zu viele Fremde auf einmal kamen. Der Osten hat sich noch nicht einmal gefunden in seiner Identität, kamen neue fremde Identitäten die den was der Osten, der Einzelne brauchte, wieder scheinbar wegnahm. Der Westen hätte vielleicht, es geschafft, vielleicht, aber auch hier gilt, das Maß. Wieviel Fremdes erträgt eine Familie, wenn schon Weihnachten und die Verwandtschaft oder die Schwiegermutter über mehrere Tage eine emotionale Belastung wird. Der Osten in seiner Not wurde nicht gehört und die Verführer nicht ernst genommen. 1992 spielte ich das Stück Hitler im Kopf in Ost-und Westdeutschland, im Osten wurden wir von der Antifa geschützt, gab es schon damals Dörfer die von Nazis besetzt waren. Die Gespräche mit westlichen Politikern und Sozpädagogen taten dies als pubertäres Geplänkel ab. Im Ostdeutschen Juze, ich als Gast bei einem rechtsradikalen Treffen, da wurde mir schlecht über deren Parolen. Ich hatte Angst. Und der Osten wurde nicht gehört zu deren Nöte und Ängste und die AfD hörte hin und gewann, immer mehr und leider sitzen viel zu viel rechtsradikale in der AfD mit im Boot und warten auf die nächste Flut, denn der Damm den es noch gibt ,der ist dünn und schmal. In der Not fällt man schnell in alte Muster und das Muster heißt immer Vergangenheit und indem Fall, scheinbare Stärke, leichte Parolen ( wie damals im SEDsystem ) und Zusammenhalt, diesmal gegen den alten Westen und seinen alten Parteien, jetzt sind wir dran sagt der Osten. Ob der Osten in den Westen kommt, liegt nun mehr den eh an dem, der noch östlicher ist, sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Faschismus zu vernichten und es wäre ja nun das zweite Mal in seiner Geschichte, Nazis zu vertreiben, die von ihm gerade noch gefüttert werden, die ihm auch noch dafür bezahlen für sein Öl und Gas, um dann irgendwann …..war nicht die Spezialoperation in der Ukraine auch gegen Nazis gerichtet oder geht es einfach um den großen Machtanspruch in Eurasien und solange Europa mit seinen Kleinstaaten nicht zusammenhält, macht der Bär aus dem Osten was er will.

Haiku des Tages: Eine Frau schaut einen Baum an, mit konzentrierten Blick, in der Hand eine Säge, welche Ast bleibt, welcher wird geschnitten.


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter: