14./15.2.2024 Vila de Bispo

14.2.24 – vom Winde verweht das Himmlische Kind. Anfangs noch nicht, die ersten 2 Kilometer, aber dann schob der Wind uns die Berge hoch. Die Gedanken zurück zu radeln, noch nicht im Kopf. Man stelle sich vor, man steigt auf den Sattel seines Rades hält das Gleichgewicht und wird geschoben vom Wind bis auf 10km/h. Wir beradeln unsere Umgebung. Vom Sturm zerzaust die Haare, die Möwen im Steilflug die Klippen hinauf, hinunter. Um so mehr Wind, um so mehr tauchen die Windgeister auf, die für Unruhe sorgen. Achtsamkeit ist angesagt. Zurück, der Sturm fegt uns abwechslungsweise von der Mitte der Straße in den Straßengraben. Windzerzaust und aufgewühlt die „Dämonen und Geister“, die bis jetzt stillgehalten haben und nun nach der Hälfte der Reise ihren Tribut, ihre Aufmerksamkeit wollen, einfordern. Alte Selbstzweifel über das Tun dieser Fahrt, was will die Seele finden, nach was sucht sie ? Sucht sie, will sie finden ? Was stellt wirklich zufrieden? Anerkennungsmangel, familiär, beruflich! Stinkender alter Zweifel, die Frage nach dem Sinn, wie geht es weiter nach der Reise? Derselbe Trott oder was ist wichtig? Das Außen, der Status, das innere Glück, die innere Zufriedenheit? Der Sturm bläst weiter unaufhörlich, die Gedanken, Gesprächsfetzen im Sturm weggeblasen in den Sternenhimmel. Die Reisenden in der Mitte der Reise, bei sich selbst angekommen. Die Hände, sich gegenseitig haltend und so, beide und jeder für sich, weiterstrickend an seinen Lebensschal. Der mal bunt, mal farblos ist, mal Muster hat, mal keine. So stricken wir auch an unseren gemeinsamen Lebensschal. Fällt die Masche, hebt das vertraute Du, sie auf und es wird weitergestrickt. Am Morgen noch, ein kurzes Aufbäumen der „Dämonen“, die, die einfach ihre, unsere Aufmerksamkeit wollen. Kein Verdrängen ,sondern immer, wie die Wellen die kommen, ein ewiges Ja zum Sein.

15.2.24 Noch in der Bar oder gerade in der Bar am Morgen angekommen, beginnt es zu schütten. Die Tschechischen Wanderer neben uns erläutern uns ihren Plan, wir den unseren, gemeinsam ist, den Regen abwarten. Vierzig Minuten später ist es vorbei. Der Himmel reist auf, wie es so heißt und wir gehen los Richtung Klippen, Strände vom Dorf hinauf. Ja, zu Fuß ist Portugal ein feines Erlebnis, gerade jetzt im aufkommenden Frühling. Immer weiter hinauf und dann hinunter zum Meer. Laut ist es und gefährlich. Einen halben Schritt zu weit und meine kurze Hose wird nass. Einen Schritt weiter und eine stärker Welle hätte mich mitgerissen. Ich verstehe das Meer und bin vorsichtig. Kein Mittelmeer, sondern Atlantik. Die Einsteigerinnen des Surfsport halten sich im Flachwasser auf. Weite, nicht ganz unendliche Weite des Strandes. Einfach grandios und auch etwas warm, da der Wind doch immer wieder mal auffrischt. Kein Strandtag, sondern ein Wandertag in den Klippen und am Strand und später im Wald. Wieviel Kilometer ,12 oder 15 werden es gewesen sein. Dreiminuten – 1Euro Dusche am Platz, aber ziemlich genau, dann gibt es kein Wasser mehr. Dafür am Abend, ein Essen ohne zeitliche Begrenzung mit hervorragenden Speisen, sehr guten Fisch, Wein und Kaffee. Endlich mal sehr gut gegessen außerhalb unserer Bus Nouvelle Cuisisine. Das zweite Mal seit wir unterwegs sind. Vilo do Bispo, für mich immer noch rätselhaft wie dieses Dorf mit seinen Fremden, Hippies, Touristen funktioniert. Haiku des Tages: Überall gibt es Schatten. Die eigenen Schatten mitzunehmen, gehört auf einer Reise auch dazu.


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