18.1.2024 Saintes Maries

Kurzer Einblick in unseren Tagesablauf. Meistens stehen wir zwischen 7 und 8 Uhr morgens auf. Frühstück, Abwasch und aufräumen. Das Prinzip im Wohnmobil heißt Ordnung, sonst Chaos. Da wir unser Bett immer auf – und abbauen müssen, sind wir einfach dazu gezwungen. Wir haben unseren Schlafbereich, die Kochnische, die Meditationsecke und den Chilloutspace, vor allem abends. Bis wir alles erledigt haben ist es zwischen 10 und 11 Uhr. Danach gehen wir raus und sind bis zu 6 Stunden unterwegs. Gegen 17/18 Uhr sind wir wieder am Bus. Es wird gekocht, meistens immer eine Person. Heute haben wir zur zweit gekocht. Abwasch, aufräumen und Chilloutspace herrichten. Uhrzeit knapp vor 20 Uhr. Die vorletzte Aktionen sind, Reiseblog, Fotobuch und Planung für den nächsten Tag. Wenn das alles fertig ist, wird gelesen bzw. geratscht oder Podcast ( von Ring der Nibelungen 16 teilig können wir empfehlen bis Pu der Bär ). Das Licht wird ausgemacht, vorher die Heizung eingestellt, die Uhr zeigt meistens 23 Uhr plus minus X.

Heute sind wir aufgewacht sehr spät, Sonja hat endlich durchgeschlafen und ich nicht. Da heute Waschtag war, sind wir in nach S.M.M. in den Waschsalon, um 9 Uhr. Die Wäsche in der Waschmaschine, wir mit dem Bus davor und nützen die Zeit mit Frühstück. Wir leben in einer Parallelwelt, zwei Deutsche, umgeben von Franzosen. Hören hin und wieder deutsche Sender und ich merke, ich bin nicht integriert. Sonja kann französisch, aber ich? Ich bin der Mann mit Migrationshintergrund. Scherz beiseite, ich denke, so geht es vielen, die im Ausland wohnen. Kontakt zur Heimat über die Medien, ansonsten bleibt man in seiner Blase. Ich schwätz aber trotzdem mit der Kassiererin , deutsch, englisch und Hand-Fußsprache. Sie versteht mich. Die Wäsche ist trocken es geht Richtung 11 Uhr und wir schnappen unsere Räder und fahren zu einem Leuchtturm der 12 Kilometer östlich von S.M.M. steht. Das Meer tobt, die Wellen grandios, am Strand nur Weißwasser. Die Luft voller Gischt und Salz. Zwei Wellensurfer im Wasser. Sie haben ihre Waschmaschine wenn sie vom Brett fallen oder gerissen werden. Die Sonne bricht immer wieder durch, auch die Einheimischen sind vom Wellenspektakel beeindruckt. Der Radweg führt raus aus der Stadt Richtung Osten. Rechts das brausende wilde laute Meer, links das Delta mit seiner Wasserlandschaft eingebunden in den typischen Büschen der Camargue, die mich stark an das Heidekraut Erika erinnern. Rechts blau und weiß das Meer, links rötlich braun die weite, die unendliche Weite der Camargue. Dazwischen die rosafarbenen Farbtupfer der Flamingos. Wenn wir durch das Fernglas sehen, nichts als diese rötlich-braune Landschaft und Flamingos. Der Weg wird immer wilder, das Meer kommt näher, obwohl von einen Steindamm getrennt spritz das Wasser permanent auf den Weg. Meerwasserpfützen, die den ganzen Weg überschwemmen und so tief, dass das Wasser fast bis zur Radkurbel reicht. Wir werden vom Spritzwasser nass. Nach dieser engen Stelle entfernt sich der Weg durch einen leichten Bogen vom Meer. Es toben weiter die Wellen, fast nicht mehr sichtbar aber hörbar. Wir kommen an einem Strand vorbei, alles überschwemmt. Wir stehen auf den Dünen und schauen den Treiben zu. Am Leuchtturm angekommen, sitzen noch drei Franzosen mit uns an den Tischen und vespern. Wir fahren zurück, legen eine Rast am dem Strand ein, der vor knapp 2 Stunden noch unter Wasser war. Legen uns auf die aufgewärmten trockenen Dünen und schlafen beide in der warmen Sonne ein. Ich mache noch einen langen Strandspaziergang. Sonja hält die Szenerie im Zeichenblock fest. Waren wir leicht bekleidet in der Sonne gelegen, müssen wir uns nun warm anziehen für den letzten Teil des Rückweges. Die Sonne blendet zwar, aber trotzdem sind wir froh, dass wir Handschuhe dabei haben. Der Blick nach Westen Richtung S.M.M. ist gigantisch. Die Kirche von S.M.M. im Dunstschleier des aufgewühlten Meeres als Fata Morgana erahnend. Diesmal links das wilde glitzernde Meer im Sonnenlicht und rechts die Wasserlandschaft der Camargue. Über ihr dunkle Wolken, so dass der Weg, so scheint es, die Grenze zwischen der glitzernden Welt und der sumpfigen Halbwelt ist. Voraus die Kirche Notre Dame de la Mer, die der Wallfahrtsort im Frühjahr für Roma ist und die Hoffnung für alle, die glauben. Ich kann es gar nicht in Worte fassen. Einerseits dramatisch und andererseits wohltuend, da die Naturgewalten nur sagen, schau her Mensch was ich kann und nicht zerstörerisch sind. Direkt vor uns erheben sich 5 Flamingos und fliegen über unsere Köpfe. Wir sind zurück in der Stadt, die Surfer trotten müde und aufgeregt an mir vorbei. Den letzten Ritt habe ich noch gesehen. Die beiden waren über 4 Stunden im Wasser. Zum Abschluss, ein Strich von einen Regenbogen am Himmel auf der einen Seite, auf der anderen Seite goldrosaglänzend der Himmel und ein Eisvogel, der an mir vorbeifliegt. Haiku des Tages: Das Meer erfüllt, die Luft erfüllt, der Himmel erfüllt, der Boden erfüllt. Der Tag erfüllt.


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